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         <tei:titleStmt>
            <tei:title type="main">Computergestützte Hierarchien:</tei:title>
            <tei:title type="sub">Die ungleiche Einführung des Computers in westdeutsche Schulen
               (1970er–1980er Jahre)</tei:title>
            <tei:author>
               <tei:name>
                  <tei:forename>Sven</tei:forename>
                  <tei:surname>Schibgilla</tei:surname>
               </tei:name>
               <tei:idno type="ORCID">0009-0009-3503-8512</tei:idno>
               <tei:affiliation>Technische Universität Darmstadt</tei:affiliation>
               <tei:email>schibgilla@kritis-tu-darmstadt.de</tei:email>
            </tei:author>
         </tei:titleStmt>
         <tei:publicationStmt>
            <tei:publisher>BBF | Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des
               DIPF</tei:publisher>
            <tei:date>2025</tei:date>
            <tei:availability>
               <tei:licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/">
                  <tei:p>For this publication a Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs
                     4.0 International license has been granted by the author(s) who retain full
                     copyright.</tei:p>
               </tei:licence>
            </tei:availability>
            <tei:idno type="DOI">10.25658/41e7-tb10</tei:idno>
         </tei:publicationStmt>
         <tei:seriesStmt>
            <tei:title>Jahrbuch für Historische Bildungsforschung</tei:title>
            <tei:biblScope unit="volume">31</tei:biblScope>
         </tei:seriesStmt>
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            <tei:p>Jahrbuch für historische Bildungsforschung, Band 31, 2025</tei:p>
         </tei:sourceDesc>
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            <tei:p>Die Gründung des Jahrbuchs für Historische Bildungsforschung wurde im Mai 1991
               auf der Jahrestagung der Historischen Kommission der Deutschen Gesellschaft für
               Erziehungswissenschaft (DGfE), der Vorgängerin der Sektion Historische
               Bildungsforschung, beschlossen. Veröffentlicht werden Beiträge aus dem Gesamtgebiet
               der Historischen Bildungsforschung, wobei vor allem auch die Nachbardisziplinen zur
               Mitarbeit eingeladen sind. Historische Bildungsforschung wird hier als
               interdisziplinäres Feld verstanden, in das Fragestellungen der Erziehungs-,
               Geschichts- und Literaturwissenschaft ebenso Eingang finden wie die historische
               Anthropologie, historische Berufsbildungsforschung oder die Geschichte der Medien,
               der Geschlechter, der Kindheit und der Jugend.</tei:p>
            <tei:p>Das Jahrbuch für Historische Bildungsforschung wird von der Sektion Historische
               Bildungsforschung in Verbindung mit der BBF | Bibliothek für Bildungsgeschichtliche
               Forschung des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation
               herausgegeben. Den Kreis der Herausgeber:innen bilden 15 Wissenschaftler:innen, die
               die inhaltliche Breite der Teildisziplin verkörpern. Sie wählen eine:n Sprecher:in
               und bestimmen in jedem Jahr die Schwerpunktthemen der kommenden Bände, die jeweils
               von einer kleinen Redaktionsgruppe betreut werden. Daneben gibt es Raum für
               themenungebundene Abhandlungen, Diskussionen sowie für die Publikation ausgewählter
               Quellen mit Kommentierung. Seine zunehmende Verbreitung in europäischen
               wissenschaftlichen Bibliotheken und die steigenden Zahl englischsprachiger Beiträge
               sind Ausdruck wachsender Internationalität des Jahrbuchs für Historische
               Bildungsforschung. Alle Einreichungen werden in einem Peer-Review-Verfahren
               begutachtet.</tei:p>
            <tei:p>Die Verbreitung digitaler Angebote und Ressourcen ist in den letzten Jahren in
               den Geisteswissenschaften deutlich angestiegen und auch in der Historischen
               Bildungsforschung spielen Verfahren der Digital Humanities eine immer wichtigere
               Rolle. Das Jahrbuch erscheint daher, ermöglicht durch eine DFG-Förderung in dem
               Projekt <tei:title>
                  <tei:ref target="https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/463078084" type="crossref">Transformation des Jahrbuchs für Historische Bildungsforschung (JHB) in ein
                     hybrid – print &amp; online – erscheinendes Open Access Journal</tei:ref>
               </tei:title>, als Open-Access Journal mit erweiterter Funktionalität neben der
               Printausgabe.</tei:p>
            <tei:p rend="breadcrumbfix"/>
         </tei:projectDesc>
      </tei:encodingDesc>
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            <tei:language ident="de">de</tei:language>
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         <tei:textClass>
            <tei:keywords xml:lang="de">
               <tei:term>Bildungsungleichheit</tei:term>
               <tei:term>Computer</tei:term>
               <tei:term>Bundesrepublik</tei:term>
               <tei:term>Informatik</tei:term>
               <tei:term>Schule</tei:term>
            </tei:keywords>
            <tei:keywords xml:lang="en">
               <tei:term>educational inequality</tei:term>
               <tei:term>computer</tei:term>
               <tei:term>federal republic germany</tei:term>
               <tei:term>computer science</tei:term>
               <tei:term>school</tei:term>
            </tei:keywords>
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      <tei:front>
         <tei:div type="abstract" xml:id="abstract_deu" xml:lang="de">
            <tei:p><tei:pb n="105"/>Der Beitrag betrachtet am Beispiel Bayerns und Nordrhein-Westfalens die
               Einführung von Computertechnologie in den 1970er und 1980er Jahren mit einem Fokus
               auf Bildungsungleichheiten. Auf kultusministeriellen Quellen aber auch fachbezogenen
               und verbandlichen Fachzeitschriften aufbauend wird herausgearbeitet, dass der
               politische Umgang mit Computern in Schulen bestehende Benachteiligungen verstärkte
               und die vermeintlich als demokratie- und chancengleichheitsfördernd gepriesene
               Technologie sich nahtlos in die im Schulsystem verankerten Ungleichheiten
               einfügte.</tei:p>
         </tei:div>
         <tei:div type="abstract" xml:id="abstract_eng" xml:lang="en">
            <tei:p>This article analyzes the use of computer technology at German schools in the
               1970s and 1980s, taking Bavaria and North Rhine-Westphalia as examples, with a focus
               on educational inequalities. Based on Ministry of Education sources as well as on
               educational and teacher association journals, the contribution shows that existing
               disadvantages were increased by the way in which politics dealt with the issue of
               computers at schools which, as a technology that allegedly promotes democracy and
               equal opportunities, fitted in seamlessly with the inequalities rooted in the school
               system.</tei:p>
         </tei:div>
      </tei:front>
      <tei:body>
         <tei:pb n="106"/>
         <tei:p n="1">Soziale Herkunft, regionale Unterschiede und der Besuch der verschiedenen
            Schulformen prägen die Bildungsbiografien von Schüler:innen. Die Historische
            Bildungsforschung hat wiederholt gezeigt, dass strukturelle Unterschiede im deutschen
            Bildungssystem soziale Ungleichheiten fortschreiben.<tei:note>
               <tei:p>Für einen Überblick über bestehende Arbeiten, die Entwicklung der
                  Forschungsrichtung und neuere Tendenzen siehe etwa <tei:ref type="bibl" xml:id="refid000" target="#Kössler2022">Kössler (2022)</tei:ref>.</tei:p>
            </tei:note> Besonders das mehrgliedrige Schulsystem der Bundesrepublik prägt ungleiche
            Bildungswege und beeinflusst nicht nur Inhalte, sondern auch Ausstattung, Lehrmittel und
            Medieneinsatz. Dies zeigt sich auch an der Verbreitung von Computertechnologie an
            bundesdeutschen Schulen.</tei:p>
         <tei:p n="2">Die Betrachtung dieser computertechnologischen Verbreitung in Schulen hat in den
            letzten Jahren zunehmend das Interesse in der historischen Forschung gefunden.<tei:note>
               <tei:p>Vgl. etwa <tei:ref type="bibl" xml:id="refid002" target="#Danyel2015">Danyel/Schuhmann 2015, S. 309</tei:ref>; <tei:ref type="bibl" xml:id="refid003" target="#Danyel2012">Danyel 2012, S. 198</tei:ref> oder auch
                     <tei:ref type="bibl" xml:id="refid004" target="#Bösch2017">Bösch 2017, S.
                     239</tei:ref>.</tei:p>
            </tei:note> Jüngst zeigten Flury und Geiss in einem Sammelwerk internationale
            Perspektiven auf.<tei:note>
               <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid008" target="#Flury2023b">Flury/Geiss
                     2023</tei:ref>.</tei:p>
            </tei:note> Darin stellen Hof und Priem je bezogen auf OECD und UNESCO Versuche und
            Ideen dar, Computer in Bildungssystemen zur Überwindung von Ungleichheiten zu nutzen.<tei:note>
               <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid010" target="#Priem2023">Priem
                     2023</tei:ref> sowie <tei:ref type="bibl" xml:id="refid011" target="#Hof2023">Hof 2023</tei:ref>. </tei:p>
            </tei:note> Gerade Hof argumentiert, dass die OECD Computer dezidiert als Mittel
            personalisierter Bildung und durch die Angleichung technologischer Grundbildung als
            Basis moderner Partizipation begriff.<tei:note>
               <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid014" target="#Hof2023">Hof 2023, S.
                     219–222</tei:ref>. </tei:p>
            </tei:note>
         </tei:p>
         <tei:p n="3">Dieser Beitrag stellt den Versuch dar, die Einführung von Computertechnologie in
            Schulen der Bundesrepublik in den 1970er und 1980er Jahren mit einem Fokus auf
            Bildungsungleichheiten zu betrachten. Die Betrachtung von Dimensionen sozialer
            Ungleichheit ist in Bezug auf die frühe Computernutzung dabei nicht neu. So konnte Cain
            bereits 2021 herausstellen, dass die frühe Computernutzung in den Vereinigten Staaten
            auf eine weiße, wohlhabende Mittelschicht fokussiert war.<tei:note>
               <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid018" target="#Cain2021">Cain,
                     2021</tei:ref>. </tei:p>
            </tei:note> Bezogen auf das Geschlecht hat die Forschung zudem bereits mehrfach
            aufgezeigt, dass Frauen in der frühen Phase der Computerentwicklung zunächst sichtbar
            beteiligt, später jedoch marginalisiert und geschlechtsspezifische Ungleichheiten weiter
            verstärkt wurden.<tei:note>
               <tei:p>Vgl. bspw. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid020" target="#Hicks2017">Hicks
                     2017, S. 2</tei:ref>, <tei:ref type="bibl" xml:id="refid021" target="#Ensmenger2010">Ensmenger 2010, S. 128–130</tei:ref> oder auch <tei:ref type="bibl" xml:id="refid022" target="#Flury2023c">Flury/Geiss/Guerrero
                     2023</tei:ref> oder <tei:ref type="bibl" xml:id="refid023" target="#Abbate2012">Abbate 2012</tei:ref>.</tei:p>
            </tei:note>
         </tei:p>
         <tei:p n="4">Dieser Beitrag beleuchtet primär schulformspezifische Unterschiede in der
            Computerausstattung und -nutzung von Schüler:innen an allgemeinbildenden Schulen. Dabei
            wird auch ein Zusammenhang zum sozioökonomischen Status aufgezeigt, der im Kontext des
            differenzierten Schulsystems der Bundesrepublik von Bedeutung ist. Ziel ist es,
            politische Ideen, Projekte und Umsetzungen sichtbar zu machen, die die Computernutzung
            schulformspezifisch <tei:pb n="107"/>strukturierten und dadurch Bildungsinhalte wie Zugänge selektiv
            verteilten. Untersucht werden dabei qualitative und quantitative Ausstattung,
            Finanzierungsprozesse, Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrer:innen sowie
            schulformspezifische Erwartungen an die Nutzung digitaler Technologien durch
            Schüler:innen.</tei:p>
         <tei:p n="5">Aufgrund der föderalen Bildungshoheit deutscher Bundesländer muss die Betrachtung
            anhand von Fallbeispielen erfolgen. Wie Thießen betont, lässt sich dabei selbst für ein
            einzelnes Bundesland nicht von <tei:emph>der</tei:emph> digitalen Transformation sprechen.<tei:note>
               <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid028" target="#Thießen2019">Thießen
                     2019</tei:ref>; <tei:ref type="bibl" xml:id="refid029" target="#Thießen2022">Thießen 2022</tei:ref> sowie <tei:ref type="bibl" xml:id="refid030" target="#Thießen2023">Thießen 2023</tei:ref>. </tei:p>
            </tei:note> Dies gilt insbesondere für das heterogene Bildungssystem. Durch die
            Betrachtung der öffentlichen allgemeinbildenden Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie
            Gymnasien Bayerns und Nordrhein-Westfalens (NRW) sollen gerade auch regionale Faktoren
            und Spezifika in die Überlegungen einbezogen werden. Dabei wird auch der strukturelle
            Unterschied beider Bildungssysteme berücksichtigt. So hielt die christlich-soziale
            Staatsregierung in Bayern in den bildungspolitischen Reformjahren der 1960er und 1970er
            Jahre an der traditionellen Dreigliedrigkeit fest, setzte Reformen nur innerhalb dieser
            um. Im zeitweise sozialdemokratisch und sozialliberal regierten NRW hingegen wurde
            während des Untersuchungszeitraums mit der Gesamtschule eine neue Schulform eingeführt,
            die Chancengleichheit versprach.<tei:note>
               <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid034" target="#Geißler2011">Geißler
                     2011, S. 847–848</tei:ref>.</tei:p>
            </tei:note> Während sich das westlichste Bundesland gerade im Strukturwandel befand –
            weg von der montanindustriellen Prägung hin zu neuen Wirtschaftssektoren –, wuchs die
            Wirtschaftskraft im Süden an – auch durch Firmen der Informations- und
            Kommunikationstechnologie. Um diese Unterschiede erfassen zu können, werden neben
            kultusministeriellen Quellen aus beiden Bundesländern ebenso Aushandlungs- und
            Entscheidungsprozesse lokaler Schulausschüsse wie auch fachspezifische Zeitschriften einbezogen.<tei:note>
               <tei:p>Die Betrachtung kommunaler Schulausschüsse ist von Relevanz, da diese für die
                  Ausstattung der Schulen und damit die Anschaffung von Computern und die
                  Ausgestaltung entsprechender Räume zuständig waren.</tei:p>
            </tei:note>
         </tei:p>
         <tei:p n="6">Der Beitrag beginnt mit einer Betrachtung der experimentellen Phase der schulischen
            Computernutzung in den 1970er Jahren, gefolgt von der Analyse der ungleichen Verteilung
            in den 1980er Jahren. Abschließend wird die Einführung einer Grundbildung als
            schulformübergreifender Ansatz betrachtet.</tei:p>
         <tei:div xml:id="div-d1e371">
            <tei:head>1 Computer als Privileg: Computernutzung bis in die frühen 1980er
               Jahre</tei:head>
            <tei:p n="7">In NRW begann das Kultusministerium unter dem sozialdemokratischen Kultusminister
               Jürgen Girgensohn spätestens 1972 mit Überlegungen zum pädagogischen Computereinsatz,
               indem es die ‚Arbeitsgruppe Schulcomputer‘<tei:pb n="108"/> einrichtete. Die Arbeitsgruppe empfahl
               1973 den Computer als Unterrichtsmedium, Verwaltungsinstrument und Inhalt eines neuen
               Fachs Informatik. Ziel war es, Schüler:innen auf eine technologiegeprägte Zukunft
               vorzubereiten. Immerhin sei absehbar, dass eine Person, die <tei:quote source="#refid036">die Speicherung, Aufbereitung und Übertragungsmechanismen von
                  Daten beherrscht, […] schneller und besser informiert [ist] und daher […] andere
                  in gewisse Abhängigkeiten bringen [kann]</tei:quote>.<tei:note>
                  <tei:p><tei:ref type="bibl" xml:id="refid036" target="#arbeitsgruppeSchulcomputer">Arbeitsgruppe
                        ‚Schulcomputer‘ beim Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen 1973,
                        S.22</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Die ausschließlich männlich besetzte Arbeitsgruppe, bestehend aus
               Lehrkräften von Schulen mit Sekundarstufe II, wissenschaftlichen Mitarbeitern sowie
               Mitgliedern des Ministeriums, vertrat damit einen emanzipatorischen und
               gesellschaftskritischen Ansatz.</tei:p>
            <tei:p n="8">Der darauf folgende Schulversuch von 1974 bis 1978 fiel in eine Übergangsphase,
               in der Großrechner allmählich durch Personal Computer abgelöst wurden.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid038" target="#Danyel2015">Danyel/Schuhmann 2015, S. 284–285</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Dass der Versuch sich ausschließlich auf die Entwicklung und Erprobung
               eines Informatikcurriculums für die gymnasiale Oberstufe beschränkte, verhinderte
               jedoch, dass der innerhalb der Arbeitsgruppe vertretene, breitere Bildungsansatz
               praktisch umgesetzt wurde.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid040" target="#zoteroItem_FPED7TAT">Entwicklungsbericht des Unterrichts in Informatik/Datenverarbeitung an
                        allgemeinbildenden Schulen in der Bundesrepublik Deutschland vom 15.07.1984,
                        LArchNRWD NW 778 194</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Der gymnasiale Schulversuch wurde im Ministerium und an den beteiligten
               Schulen aber als voller Erfolg gewertet, sodass Ende der 1970er Jahre NRWs erster
               Informatiklehrplan für die gymnasiale Oberstufe stand.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid042" target="#Hauf1977">Hauf/Sturm
                        1977, S. 9</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Die Fokussierung auf die Sekundarstufe II lässt sich nicht eindeutig
               begründen. Möglicherweise spielte auch die Vorstellung von der Altersangemessenheit
               neuer Technologien eine Rolle. Allerdings wird im weiteren Verlauf deutlich, dass
               diese Annahme allein nicht trägt. </tei:p>
            <tei:p n="9">In Bayern wurde Informatik dagegen bereits ab 1971 an Gymnasien und ab 1976 auch
               an Realschulen schrittweise eingeführt – teils als Wahlfach, teils integriert ins
               Mathematikcurriculum. Ebenfalls seit 1982 lief an fünf staatlichen und vier
               städtischen Realschulen ein Schulversuch, Informatik als Wahlpflichtfach in den
               Jahrgangsstufen neun und zehn zu implementieren.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid044" target="#zoteroItem_B78ISSYH">Stellungnahme der Arbeitsgruppe „Informationstechnik des Studienkreises
                        Schule-Wirtschaft Bayern“, [1985], ByHStArchM MK 85982</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> In NRW hingegen war Informatik auch zu Beginn der 1980er Jahre curricular
               auf die gymnasiale Oberstufe beschränkt. Dies musste auch ein Hauptschullehrer aus
               Bonn erfahren, der mit seinen Schüler:innen in der örtlichen Sparkasse bisher einmal
               in der Woche die Computeranlage zur BASIC Programmierung verwendet hatte.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid046" target="#zoteroItem_FPED7TAT">Der Kultusminister an Wolfgang Müller, 14.03.1985, LArchNRWD NW 778
                        207</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Aufgrund fehlender Geräte in den Schulen ein pragmatischer<tei:pb n="109"/> und häufiger
               zu beobachtender Vorgang. Die Sparkasse entzog der Schule aufgrund anderer Kunden
               jedoch die Rechenzeit. Auf die Bitte an das Kultusministerium NRWs um eine
               Computerausstattung der Hauptschule verwies das Ministerium in seiner Antwort recht
               knapp, dass Programmierkurse in der Hauptschule nicht vorgesehen seien, die
               Ausstattung in den Händen der Kommunen liege und es Sache der Sparkasse sei, wem sie
               Zugang zu ihren Computern möglich mache.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid048" target="#zoteroItem_FPED7TAT">ebd</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note>
            </tei:p>
            <tei:p n="10">Weiter ohne curriculare Verortung des Computers in Hauptschulen, war gerade die
               Eigeninitiative wichtig, um auch Hauptschüler:innen Kenntnisse in der neuen
               Technologie zu vermitteln. Obwohl gerade in der frühen schulischen Computernutzung
               interessierten, autodidaktisch lernenden Lehrer:innen eine große Rolle in der
               verbreiteten Nutzung von Computern an Schulen zukam,<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. etwa <tei:ref type="bibl" xml:id="refid050" target="#Cantarell2023">Guerrero Cantarell 2023, S. 118</tei:ref>; <tei:ref type="bibl" xml:id="refid051" target="#Flury2024a">Flury 2024, S. 90</tei:ref> oder auch
                        <tei:ref type="bibl" xml:id="refid052" target="#Schibgilla2023">Schibgilla
                        2023, S. 289</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> waren genau diese Eigeninitiativen immer wieder von Widrigkeiten gedämpft
               worden.</tei:p>
            <tei:p n="11">Ein Schulversuch zum Testen von Mikrocomputern, also Home- und
               Personal-Computern, fand in NRW neben Gesamtschulen und Gymnasien von 1980 bis 1983
               zwar auch an Berufsschulen statt, damit aber weiterhin nur an Schulen mit
               Sekundarstufe II.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid056" target="#zoteroItem_FPED7TAT">Abschlußbericht zum Modellversuch „Mikrocomputer (Mikrocomputersysteme) in
                        der Schule“. Paderborn 1983, S. 6, LArchNRWD, NW 778 195</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Im Rahmen des Testens der neuen ‚Mikrocomputer‘ – anstelle der bisher im
               Informatikunterricht meist genutzten großen, maschinenähnlichen Mehrbenutzeranlagen –
               sollte durch einen fächerübergreifenden Unterricht der verstärkten gesellschaftlichen
               Verbreitung von Computertechnologie Rechnung getragen werden.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid058" target="#zoteroItem_FPED7TAT">ebd., S. 3</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Damit wurde in NRW erstmals ein landesweiter Versuch nicht auf den
               Informatikunterricht zugeschnitten. Vielmehr sollten Vorteile und Gefahren der
               zunehmenden Verbreitung von Computern – etwa im Kontext der Volkszählung in den
               1980er Jahren – zum Inhalt werden.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid060" target="#Danyel2012">Danyel
                        2012, S. 199–200</tei:ref> oder <tei:ref type="bibl" xml:id="refid061" target="#Schönrich2021">Schönrich 2021, S. 3–4</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Umso verwunderlicher ist die Auswahl der Versuchsschulen. Zu Beginn der
               1980er Jahre war es für Hauptschüler:innen und Gymnasiast:innen von ähnlicher
               Wahrscheinlichkeit, später mit Computern arbeiten zu müssen;<tei:note>
                  <tei:p>Dies galt nicht nur für klassische Ausbildungsberufe, auch im
                     Hochschulstudium stieg die Relevanz informationstechnischer Kenntnisse in einer
                     zunehmenden Anzahl von Disziplinen. Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid064" target="#Pieper2009">Pieper 2009</tei:ref>. </tei:p>
               </tei:note> ganz zu schweigen von der für alle Bürger:innen notwendig werdenden
               Fähigkeit, sich mit Themen wie der informationellen Selbstbestimmung kritisch
               auseinanderzusetzen.</tei:p>
            <tei:p n="12">Die fachspezifische Implementierung des Computers in den Unterricht erfolgte vor
               allem in den Bereichen der Prozesssteuerung im Grundkurs <tei:pb n="110"/>Informatik, (automatischer)
               Messverfahren und deren Auswertung im naturwissenschaftlichen Unterricht oder der
               Visualisierung mathematischer Probleme.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid066" target="#zoteroItem_FPED7TAT">Abschlußbericht zum Modellversuch Mikrocomputer, S. 16, LArchNRWD, NW 778
                        195</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Aus dem Abschlussbericht zum ‚Modellversuch Microcomputer‘ ist
               ersichtlich, dass die eingesetzten Computer konzeptionell weitestgehend nicht anders
               als Overhead-Projektoren oder Fernseher genutzt wurden. Zudem wurden
               gesellschaftliche und soziale Auswirkungen von Computertechnologie erst durch
               mehrmalige Forderungen der Projektgruppe und auch dann nur am Rande durch
               Lehrer:innen in den Unterricht eingebettet.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid068" target="#zoteroItem_FPED7TAT">ebd</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Die in die Legitimation des Versuchs eingearbeitete
               gesellschaftskritische Betrachtung, die auch von der Gesellschaft für Informatik seit
               den 1980er Jahren gefordert wurde,<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid070" target="#Flury2024b">Flury/Geiss 2024, S. 126–127</tei:ref>. </tei:p>
               </tei:note> war in NRW gescheitert.</tei:p>
            <tei:p n="13">Die unterschiedlichen Herangehensweisen beider Länder machten sich in den frühen
               1980er Jahren auch an den Ausstattungszahlen bemerkbar. Während in NRW 40 Prozent
               aller Gymnasien und Gesamtschulen als computerisiert bezeichnet wurden – hierfür
               reichte im Übrigen schon die Existenz eines Computers an der ganzen Schule für
               Unterrichtszwecke – wurden Real- und Hauptschulen in der Statistik noch gar nicht
               erfasst. Die Mehrheit der computerisierten Schulen der Sekundarstufe II wies dabei
               einen bis drei Arbeitsplätze auf, nur 30 Prozent der Schulen mit Computer hatten vier
               oder mehr Arbeitsplätze.<tei:note>
                  <tei:p>Die Statistiken ergeben sich auf Grundlage verschiedener ministerialer
                     Akten sowie Vermerken des Bestandes <tei:ref type="bibl" xml:id="refid072" target="#zoteroItem_FPED7TAT">LArchNRWD, NW 778 198</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Mit dieser Ausstattungslage belegte NRW in der Bundesrepublik den letzten
               Platz. Bayern hingegen konnte an seinen Gymnasien bereits einen 90-prozentigen
               Ausstattungsgrad vorweisen und erfasste bereits Real- und Hauptschulen in seinen
               Statistiken, wenn auch deren Ausstattung die der Gymnasien bei Weitem nicht erreichen konnte.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid074" target="#zoteroItem_FPED7TAT">ebd</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Die curriculare Einbindung des Computers war in beiden Ländern eng mit
               der Anschaffung und der Nutzung einer modernen computertechnologischen Ausstattung an
               den Schulen verknüpft.</tei:p>
            <tei:p n="14">Bayern war NRW in curricularer Einbindung und auch in der Ausstattung in allen
               Schulformen voraus – ein Zusammenhang, der noch deutlich werden wird. Ein möglicher
               Erklärungsansatz ergibt sich aus den Finanzierungsmodellen. Bis zu einer Umstellung
               1984/85 war das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus für die
               Finanzierung der Computerinfrastruktur in den staatlichen Gymnasien und Realschulen
               verantwortlich. In Ausstattungsrunden wurden staatliche Schulen mit einer quantitativ
               und qualitativ ausreichenden Computeranlage versehen, ohne dafür große
               Eigeninitiative zeigen<tei:pb n="111"/> zu müssen. Hauptschulen hingegen fehlte in Bayern nicht nur
               eine curriculare Zuordnung des Computers. Für die kommunalen Sachaufwandsträger war
               eine Finanzierung auch schwieriger umzusetzen. Dessen war sich das Staatsministerium
               bewusst. Kritik an der ungleichen Ausstattung zwischen städtischen Real- oder
               Hauptschulen und staatlichen Schulen entgegnete das Ministerium stets mit der
               rechtlichen Nicht-Zuständigkeit. Haushaltsposten für nicht-staatliche Schulen seien
               schlicht nicht möglich; zuständig seien die Kommunen als Sachaufwandsträger.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid076" target="#zoteroItem_B78ISSYH">Einführung der informationstechnischen Grundbildung ab Schuljahr 1988/89,
                        [1987], ByHStArchM MK 85987</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note>
            </tei:p>
            <tei:p n="15">Auch das nordrhein-westfälische Kultusministerium hielt auf Anfragen nach
               finanzieller Unterstützung eine nahezu standardisierte, gleichlautende Antwort bereit
               – allerdings für alle Schulformen. Da das Land Ende der 1970er und Anfang der 1980er
               Jahre sichtbar unter Struktur- und die Kommunen folglich unter Finanzproblemen litten,<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid078" target="#Nonn2009">Nonn 2009,
                        S. 116f</tei:ref>. </tei:p>
               </tei:note> waren die Schulen NRWs auf Spendengeber angewiesen. In Lüdenscheid
               beispielsweise konnte die Stadt 1981 nur eine gemeinsame Computeranlage finanzieren,<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid080" target="#zoteroItem_XPEGYI2E">Vermerk: Beschaffung einer Datenverarbeitungsanlage für das Unterrichtsfach
                        Informatik am Bergstadt-Gymnasium vom 29.06.1980, StArchL, LS
                        7-313</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> die von den drei Gymnasien geteilt werden sollte.<tei:note>
                  <tei:p>Das Konzept der Kooperationen und Flexibilisierung war damals bereits gut
                     erprobt. Gerade in NRW entstanden seit Anfang der 70er Jahren vermehrt
                     schulformübergreifende Schulzentren, um neben einem flexibleren
                     Lehrer:inneneinsatz auch infrastrukturelle Anlagen wie Sportplätze oder
                     Turnhallen gemeinsam zu nutzen. Siehe etwa <tei:ref type="bibl" xml:id="refid082" target="#Geißler2011">Geißler 2011, S.
                     832</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Das Bergstadt-Gymnasium nutzte die Anlage am Zeppelin-Gymnasium zwar mit,
               konnte bereits 1983 jedoch selbstständig eine Computeranlage für 160.000 DM anschaffen;<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid084" target="#zoteroItem_XPEGYI2E">Fach Informatik im Blickpunkt bei einem Tag der offenen Tür. In:
                        Westfälische Rundschau vom 07.11.1983, StArchL, LS 7-314</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> finanziert durch Spenden <tei:quote source="#refid086">vieler Firmen,
                  der Sparkasse, der Bank, der Schulleitung und -verwaltung sowie des engagierten
                  Eintretens des Fördervereines und Privatpersonen</tei:quote>.<tei:note>
                  <tei:p><tei:ref type="bibl" xml:id="refid086" target="#zoteroItem_XPEGYI2E">Fach
                        Informatik im Blickpunkt bei einem Tag der offenen Tür, StArchL, LS
                        7-314</tei:ref>. </tei:p>
               </tei:note> Der ‚Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft‘ (GEW) folgend war dies ein
               logisches Vorgehen: Die gesellschaftliche Verbreitung von Computern wirke sich
               bereits auf die Schulwahl der Eltern aus, Schulen ohne Computer seien nur noch zweite
               Wahl. Mangels staatlicher Zuschüsse seien die Schulen gezwungen, selbst aktiv zu werden.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid088" target="#zoteroItem_FPED7TAT">Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft an das Kultusministerium NRW am
                        13.12.1984, LArchNRWD, NW 778 205</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Das Einwerben von Geldspenden in derartiger Höhe innerhalb von zwei
               Jahren ist beachtlich. Es zeigt sich, dass neben Kommunen auch externe Förderer eher
               bereit waren, Schulen zu unterstützen, in denen informationstechnische Inhalte fest
               im Curriculum verankert waren – sei es in Form eines eigenen Informatikfachs oder
               <tei:pb n="112"/>integriert in bestehende Fächer. Hinzu kamen an Gymnasien die teils monetär gut
               aufgestellten Förder- und Alumnivereinigungen, auf die Hauptschulen nicht
               zurückgreifen konnten. Der Computer, das zeigt das Lüdenscheider Beispiel, wurde an
               Schulen zu einem Prestigeobjekt. Von diesem Bild von Modernität und ‚zeitgemäßem
               Unterricht‘ mit und an der schon 1973 von der ‚AG Schulcomputer‘ so genannten
               zukunftsträchtigen Technologie waren Hauptschüler:innen in den hier betrachteten
               Ländern jedoch noch weiter entfernt als es in der Breite auch Gymnasiast:innen
               waren.</tei:p>
            <tei:p n="16">Verstärkt wurde diese institutionelle Ungleichheit auch durch außerschulische
               Angebote wie Computer-Camps, häufig organisiert von Unternehmen oder Sparkassen.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. etwa <tei:ref type="bibl" xml:id="refid090" target="#zoteroItem_2XM7E3QJ">Computer-Schulen 1984, S.
                     31</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Besonders Gymnasiast:innen sowie Jugendliche aus sozioökonomisch starken
               Haushalten profitierten von diesen häufig teuren Camps,<tei:note>
                  <tei:p>Siehe bspw. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid092" target="#Schmidt-Klingenberg1983">Michael Schmidt-Klingenberg
                     1983</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> die ihnen zusätzliche oder alternative Chancen zur schulischen
               Computerbildung eröffneten. In diesen Camps waren nicht nur weibliche Teilnehmerinnen
               deutlich unterrepräsentiert.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid094" target="#Erdogan2021">Erdogan
                        2021, S. 176</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Für Jugendliche aus weniger privilegierten Verhältnissen – oftmals
               Hauptschüler:innen – stellten die teils hohen Kosten solcher Camps eine Hürde dar.
               Bestehende Ungleichheiten verschärften sich bis in die 1980er Jahre so auch durch
               Angebote im außerschulischen Bildungsbereich.</tei:p>
         </tei:div>
         <tei:div xml:id="div-d1e976">
            <tei:head>2 Forderungen nach Computernutzung an Hauptschulen: Gleiche Chancen für
               alle?</tei:head>
            <tei:p n="17">Mitte der 1980er Jahre wurde die Computernutzung in Wirtschaft und Gesellschaft
               zunehmend als Schlüsselkompetenz für Schule und Beruf diskutiert.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. hierfür bspw. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid096" target="#Danyel2012">Danyel 2012</tei:ref> oder auch <tei:ref type="bibl" xml:id="refid097" target="#Gugerli2018">Gugerli 2018</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Damit hielt der in den Vereinigten Staaten verwendete Begriff der
               ‚Computer Literacy‘<tei:note>
                  <tei:p>Hierunter verstand man das Wissen und die Fähigkeit, Computer
                     selbstbestimmt und zielgerichtet nutzen zu können.</tei:p>
               </tei:note> Einzug in die westdeutsche bildungspolitische Debatte. Seit Mitte der
               1980er Jahre wurde die nur rudimentäre Computerausstattung zunächst in
               Lehrerverbandszeitschriften besprochen. Durch die steigende Computernutzung im
               höheren und teilweise auch mittleren Schulwesen sahen Hauptschulen ihre Schüler:innen
               deutlich schlechter aufgestellt. Seit Mitte der 1980er Jahre mehrten sich in den
               Zeitschriften des ‚Verbandes Bildung und Erziehung‘ (VBE) und auch der GEW die
               Forderungen nach einer Computernutzung an Hauptschulen deutlich. Während einige
               Beiträge die Computernutzung dabei aus gesellschaftlichen Gründen anmahnten,
               fokussierten andere die <tei:pb n="113"/>beruflichen Werdegänge von Hauptschüler:innen und dafür
               notwendige Erfahrungen am Computer. Es dürfe <tei:quote source="#refid100">nicht das
                  Vorrecht von Absolventen anderer weiterführender Schulen sein, rational die Dinge
                  beurteilen zu können, mit denen der ehemalige Hauptschüler dann zwar arbeiten
                  darf, die er aber im Wesentlichen nur emotional bewerten und nicht verstehen
                  darf</tei:quote>.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid100" target="#Cordes1984">Cordes
                        1984, S. 22–23</tei:ref>. </tei:p>
               </tei:note> Bereits zu diesem Zeitpunkt, Mitte der 1980er Jahre, hätten Schüler:innen
               mit Erfahrungen im Computereinsatz bessere Chancen und Hauptschüler:innen würden ins
               Abseits gedrängt.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid102" target="#Cordes1984">ebd</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Auch der Bayerische Realschullehrerverband sprach sich für die
               Vermittlung informatischer Grundkenntnisse an allen Schulformen aus.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid104" target="#zoteroItem_XINK2NK7">Probleme des EDV-Unterrichts 1980, S. 18</tei:ref>. </tei:p>
               </tei:note> Die Debatte verschärfte die Legitimationskrise der Hauptschule, die
               bereits seit den 1970er Jahren verstärkt medial und bildungspolitisch unter Druck stand.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid106" target="#Wenk2022">Wenk 2022,
                        S. 254 sowie S. 246</tei:ref>. </tei:p>
               </tei:note> Bezogen auf die Strukturentwicklung des Schulsystems wird deutlich, dass
               die ungleiche Entwicklung bildungspolitische Prioritäten abbildete. Investitionen in
               zukunftsweisende Technologien wie Computertechnik erfolgten bevorzugt in Schulformen,
               denen politisch und gesellschaftlich langfristige Relevanz zugeschrieben
               wurde.</tei:p>
            <tei:p n="18">Hauptschulen, die doch in den Genuss einer Computerausstattung kamen, wurden in
               der Regel mit leistungsschwächeren Home- und Personal-Computern ausgestattet. In
               Borgholzhausen wurde Programmieren in BASIC als Wahlpflichtfach versuchsweise
               eingeführt – mit improvisierter Technik: Fernseher wurden mangels finanzieller Mittel
               der Kommune als Monitore für sieben relativ leistungsstarke Texas Instruments TI99/4A genutzt.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid110" target="#Meise1984">Meise 1984,
                        S. 19</tei:ref>. </tei:p>
               </tei:note> Dies widersprach Annahmen, Hauptschüler:innen könnten nicht programmieren;<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid112" target="#Thießen2019">Thießen
                        2019, S. 77</tei:ref>, der sich auf eine Konferenz von Schulamtsdirektoren
                     in Münster bezieht. </tei:p>
               </tei:note> auch wenn es sich bei BASIC um eine niedrigschwellige Sprache handelt.
               Dennoch blieb Borgholzhausen eine positive Ausnahme. Neben quantitativen
               Unterschieden traten auch qualitative Differenzen in der Computerausstattung der
               verschiedenen Schulformen zutage.</tei:p>
            <tei:p n="19">Der ‚Chaos Computer Club‘ forderte 1985 als Stimme einer technikaffinen
               Generation eine systematische Computerausstattung der Schulen, um
               ‚Computeranalphabetismus‘ zu verhindern.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid114" target="#Chaos-Computer-Club1985">Chaos-Computer-Club 1985, S.
                        87–88</tei:ref>. </tei:p>
               </tei:note> Und auch Schüler:innen selbst erkannten Wissen in der Computernutzung
               ebenfalls als relevant für ihre berufliche Zukunft an. Gefragt nach den Wahlgründen
               des Informatikunterrichtes erklärte ein:e Schüler:in in der Zeitschrift
                  <tei:emph>Log.In</tei:emph>, einem zentralen Medium der informatischen Bildung,
               das sich an Lehrkräfte sowie Schüler:innen richtete: <tei:quote source="#refid116">Ja, bei<tei:pb n="114"/> mir hing es damit zusammen, daß ich damit gerechnet habe, daß ich später
                  im Berufsleben damit auf jeden Fall zusammentreffen werde. […] Insofern war es für
                  mich wichtig, da mal reinzuriechen, um nicht hinterher ganz blöd
                  dazustehen</tei:quote>.“<tei:note>
                  <tei:p><tei:ref type="bibl" xml:id="refid116" target="#Jenk1981">Jenk 1981, S.
                        31</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Der spielerischen und oft neugiergetriebenen Aneignungshaltung vieler
               Jugendlicher standen die eher skeptischen Deutungen zahlreicher Eltern und Lehrkräfte
               gegenüber, die im Computer eine Bedrohung traditioneller Berufsbilder und der eigenen
               Arbeitsplatzsicherheit sahen.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid118" target="#Danyel2015">Danyel/Schuhmann 2015, S. 308</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Darüber hinaus war die übergreifende Debatte eingebettet in breitere
               Diskurse über neue Medien und einer vermeintlich <tei:quote source="#refid120">gefährdeten und perspektivlosen Jugend</tei:quote>.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid120" target="#Thießen2022">Thießen
                        2022, S. 62</tei:ref>. </tei:p>
               </tei:note></tei:p>
            <tei:p n="20">Auch von wirtschaftlicher Seite wurden vor dem Hintergrund fehlender
               Arbeitskräfte mit Kenntnissen in der Computernutzung Mitte der 1980er Jahre
               Forderungen nach einer Computerbildung an allen Schulformen laut.<tei:note>
                  <tei:p>So forderte bspw. der Bundesverband der Deutschen Industrie mehr Computer
                     in Schulen. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid122" target="#zoteroItem_WJ6SKAEK">Mehr Computer 1985, S. 2</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> In der Zeitschrift des Philologenverbandes wurde die viele
               Gesellschaftsbereiche betreffende Verwendung von Computern ebenfalls besprochen.
               Daher sei es in der Verantwortung der Schule, ein Grundverständnis für den Computer
               zu vermitteln.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid124" target="#zoteroItem_4X6ZP6I8">Informatiker dringend gesucht 1986, S. 379</tei:ref>. </tei:p>
               </tei:note> Die Forderungen aus der Gesellschaft und insbesondere der Wirtschaft nach
               einem stärkeren Computereinsatz auch in Hauptschulen war zwar grundsätzlich in deren
               Interesse, gleichzeitig thematisierte der VBE in seiner Zeitschrift aber auch, dass
               Schule kein <tei:quote source="#refid126">Zulieferer für die Wirtschaft</tei:quote> sei.<tei:note>
                  <tei:p><tei:ref type="bibl" xml:id="refid126" target="#zoteroItem_AW8MGR8I">Mond
                        1985, S. 13</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note>
            </tei:p>
            <tei:p n="21">Der gesellschaftlichen Verbreitung und damit einhergehenden Forderungen auch von
               Seiten der Schüler:innen selbst sowie der Wirtschaft stand besonders der
               Ausstattungsgrad von Hauptschulen gegenüber. Während Mitte der 1980er Jahre bereits
               21 Prozent der Hauptschüler:innen zu Hause auf einen Computer zugreifen konnten und
               sieben Prozent bereits über einen Spielecomputer in ihrem Zimmer verfügten,<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid128" target="#Wilden1986">Wilden
                        1986, S. 8–10</tei:ref>. </tei:p>
               </tei:note> waren erst 12,7 Prozent der nordrhein-westfälischen Hauptschulen computerisiert.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid130" target="#zoteroItem_FPED7TAT">Statistische Übersicht Nr. 163, LArchNRWD, NW 526 468</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Dem gegenüber standen 84,9 Prozent computerisierte Gymnasien und 51,8
               beziehungsweise 51,4 Prozent der Gesamtschulen und Realschulen.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid132" target="#zoteroItem_FPED7TAT">Antwort des Kultusministeriums auf eine Anfrage der Firma „nordpress“ am
                        28.2.1985, LArchNRWD, NW 778 207</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Die in der Zeit neu errichteten Gesamtschulen in NRW konnten somit
               anscheinend keinen Profit aus dem chancengleichheitsfördernden Anspruch der Schulform
               schlagen. In Bayern verzeichnete das <tei:pb n="115"/>Staatsministerium 1985 92 Prozent aller
               Gymnasien und 91 Prozent aller Realschulen als computerisiert, allerdings nur sieben
               Prozent der Hauptschulen.</tei:p>
            <tei:p n="22">Auf eine Presseanfrage bezüglich der schlechteren Ausstattung der Hauptschulen
               von 1985 verwies das Kultusministerium NRWs, wie man es auch in Bayern tat, auf die
               an Gymnasien seit den 1970er Jahren angebotenen Informatikkurse in der Oberstufe.
               Sachaufwandsträger – und wie gezeigt auch Spendengeber – hätten daher zunächst hier
               Geräte angeschafft. Dem Kultusministerium sei die Chancengleichheit aller
               Schüler:innen aber wichtig und die problematische Lage bekannt, Computertechnologie
               dürfe auf keinen Fall nur von einem kleinen Kreis verstanden werden –<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid134" target="#zoteroItem_FPED7TAT">Antwortschreiben an eine Presseanfrage des Kultusministeriums NRW,
                        10.01.1985, LArchNRWD, NW 778 206</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> eine beinahe sarkastische Anmerkung.</tei:p>
            <tei:p n="23">Wie schon bei den anderen Schulformen sorgten auch in Hauptschulen erst
               curriculare Zuordnungen des Computers für eine bessere Ausstattungslage und damit
               Nutzungsmöglichkeiten für Schüler:innen. In Bayern geschah dies ab 1984 mit einem
               Versuch, den Informatikunterricht als Wahlpflichtunterricht ab der achten
               Jahrgangsstufe in bayerische Hauptschulen zu bringen.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid136" target="#zoteroItem_B78ISSYH">Vorstellung für ein „Gesamtkonzept für die informationstechnische Bildung
                        in der Schule“ durch Kultusminister Prof. Meier am 27. Februar 1985,
                        ByHStArchM, MK 85982</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Im ersten Versuchsjahr nahmen neun Schulen mit 174 Schüler:innen und 18
               Lehrer:innen teil. Im dritten Jahr, 1986/87, waren es bereits 177 Schulen mit 6.577
               Schüler:innen und 185 Lehrer:innen.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid138" target="#zoteroItem_B78ISSYH">Abschlußbericht des Projektes Informatik an Hauptschulen, Mai 1988,
                        ByHStArchM MK 85990 und MK 85991</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Der starke Anstieg verdeutlicht einerseits das große Interesse von
               Hauptschullehrer:innen wie -schüler:innen, zeigt aber auch erneut auf, dass Computer
               erst seit den späten 1980er Jahren in der Breite Relevanz gewannen.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. den Sammelband von<tei:ref type="bibl" xml:id="refid142" target="#Flury2023b"> Flury/Geiss 2023</tei:ref>, <tei:ref type="bibl" xml:id="refid143" target="#Schibgilla2023">Schibgilla 2023</tei:ref> oder
                        <tei:ref type="bibl" xml:id="refid144" target="#Cuban2001">Cuban
                        2001</tei:ref>. </tei:p>
               </tei:note> Auch wenn die tatsächliche Reichweite schulischer Computernutzung
               begrenzt blieb, zeigt bereits die ungleiche Einführung entlang schulformspezifischer
               Linien eine Tendenz zur Reproduktion bildungsbezogener Zugangschancen.</tei:p>
            <tei:p n="24">Mit der Einführung des Informatikunterrichts in der Hauptschule setzte man
               zumindest in Bayern nun an allen allgemeinbildenden weiterführenden Schulen Computer
               ein. Die Computertechnologie sollte hier aber nicht zu mehr Demokratie oder gar
               Chancengleichheit führen. Die Zentralstelle in Augsburg, bedeutend für die schulische
               Computernutzung in Bayern, stellte in ihrer Zeitschrift <tei:emph>BUS</tei:emph>
               plakativ zur Diskussion: <tei:quote source="#refid148">MS-DOS-Rechner für
                  Hauptschulen - Überzogener Anspruch oder sinnvolle Anschaffung?</tei:quote>.<tei:note>
                  <tei:p><tei:ref type="bibl" xml:id="refid148" target="#Timpe1986">F. Timpe 1986,
                        S. 2</tei:ref>. </tei:p>
               </tei:note> Der Artikel widerlegte die bei den Sachaufwandsträgern verbreitete
               Ansicht, günstigere Geräte seien für Hauptschulen ausreichend, und forderte
               nachdrücklich eine qualitativ und quantitativ gleichwertige Ausstattung.</tei:p>
            <tei:p n="25"><tei:pb n="116"/>Eine ungerechte Verteilung von Computertechnologie zeichnete sich nun aber nicht
               mehr nur an der reinen Ausstattung von Schulformen ab. Eindrücklich wurde im
               Staatsministerium diskutiert, dass Gymnasiast:innen den Computer im
               Informatikunterricht weiterhin als <tei:quote source="#refid150">universell
                  einsetzbares Werkzeug für geistiges Arbeiten</tei:quote><tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid150" target="#zoteroItem_B78ISSYH">Unterlagen zur Besprechung mit Herrn Staatsminister am 29.8.1984,
                        ByHStArchM MK 85982</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> kennenlernen sollten, um algorithmische Verfahren auf Probleme anwenden
               und Daten strukturieren zu können. Realschüler:innen seien dagegen ein breit
               gefächertes Grundwissen und vielfältige Grundfertigkeiten in den Gebieten der
               Informatik zu vermitteln. Im Gegensatz zu Gymnasiast:innen sollten Realschüler:innen
               auch verstärkt das Arbeiten mit kommerziellen Anwenderprogrammen erlernen sowie
               Peripheriegeräte aus der beruflichen Praxis kennenlernen. Vorbereitung auf die
               berufliche Praxis sollte schließlich den Schwerpunkt des Informatikunterrichts in der
               Hauptschule bilden. Zwar müssten auch Hauptschüler:innen im strukturellen Denken
               zumindest gefördert werden, dies aber nur zum <tei:quote source="#refid152">besseren
                  Verständnis der Grundlagen und der Handhabung von Anwenderprogrammen</tei:quote>.<tei:note>
                  <tei:p><tei:ref type="bibl" xml:id="refid152" target="#zoteroItem_B78ISSYH">Ebd</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Die Überlegungen im Staatsministerium gewichteten den Zugang zur
               Computertechnologie somit deutlich nach Schulform, wobei die Bildungsziele
               entsprechend der schulstrukturellen Hierarchie differenziert blieben.</tei:p>
            <tei:p n="26">Eine ähnliche Auffassung vertrat auch die Arbeitsgruppe ‚Informationstechnik‘ des
               bayerischen Arbeitgeberverbandes ‚Schule - Wirtschaft‘, der sich insbesondere für
               lokale Netzwerke und Kontakte zwischen Schulen und Wirtschaft einsetzte. Dieser
               forderte zwar mehr Computer und computerbezogene Bildung an Hauptschulen, doch was
               als ‚angemessen‘ galt, unterschied sich deutlich von den Maßstäben an Realschulen
               oder Gymnasien. Hauptschüler:innen sollten sich mit den Auswirkungen der
               Computertechnologie auf Beruf und Freizeit auseinandersetzen, Realschüler:innen diese
               eigenständig erkennen und Gymnasiast:innen Computer selbstständig und sachgerecht
               einsetzen; Erstere sollten sich vor allem mit fertigen Programmen befassen und die
               imperative Programmiersprache BASIC nutzen, die Zweitgenannten Probleme durch
               algorithmische Verfahren lösen und Letztere einen vertieften Einblick in diese
               Technik erhalten und strukturierte Sprachen wie FORTRAN oder PASCAL<tei:note>
                  <tei:p>Im Gegensatz zur imperativen Programmierung in BASIC arbeiten strukturierte
                     Programmiersprachen wie PASCAL oder FORTRAN mit Kontrollstrukturen der
                     Schleifen, Verzweigungen sowie Sequenzen und sind daher mächtiger.</tei:p>
               </tei:note> anwenden.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. wie auch der gesamte Absatz, wenn nicht anders angegeben: <tei:ref type="bibl" xml:id="refid154" target="#zoteroItem_B78ISSYH">Stellungnahme
                        der Arbeitsgruppe „Informationstechnik des Studienkreises Schule-Wirtschaft
                        Bayern“, [1985], ByHStArchM, MK 85982</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note>
            </tei:p>
            <tei:p n="27">Auf wirtschaftlicher Seite fällt neben der berufsvorbereitenden Perspektive die
               Orientierung an bestehenden Strukturen der Informatik auf. David Gugerli arbeitet
               heraus, dass studierten Informatiker:innen im Zuge der disziplinären<tei:pb n="117"/>
               Ausdifferenzierung zunehmend planende und konzeptionelle Aufgaben wie die Entwicklung
               von Softwarearchitekturen zukamen. Programmierer:innen hingegen erhielten Zugriff auf
               standardisierte Programmiersprachen, deren Umsetzung in ‚lauffähige‘ Software durch
               automatisierte Prozesse unterstützt wurde.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid156" target="#Gugerli2015">Gugerli
                        2015, S. 26</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Diese Struktur innerhalb der Informatik verweist auf eine funktionale
               Differenzierung, die sich in gewisser Weise auch in den unterschiedlichen
               Bildungszielen des Informatikunterrichts an Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien
               widerspiegelte.</tei:p>
            <tei:p n="28">Die Diskussionen um die Fachinhalte steckten voller Vorstellungen, Zuschreibungen
               und Erwartungshaltungen an die Leistungsfähigkeit von Schüler:innen verschiedener
               Schulformen. Dass die Schülerschaft von Hauptschulen generell als förderungsbedürftig
               angesehen wurde, war allerdings kein Alleinstellungsmerkmal im Informatikunterricht.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid158" target="#Wenk2022">Wenk 2022,
                        S. 256</tei:ref>. </tei:p>
               </tei:note> Das Ziel also, Computertechnologie durch den Besuch von schulischem
               Informatikunterricht <tei:quote source="#refid160">im beruflichen und privaten Leben
                  verantwortungsbewußt zu nutzen</tei:quote>,<tei:note>
                  <tei:p><tei:ref type="bibl" xml:id="refid160" target="#zoteroItem_B78ISSYH">Unterlagen zur Besprechung mit Herrn Staatsminister am 29.8.1984,
                        ByHStArchM, MK 85982</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> war kein einheitliches. Das der Computertechnologie zu diesem Zeitpunkt
               inhärente Versprechen von Demokratisierung und Chancengleichheit, wie es auch die
               OECD auffasste,<tei:note>
                  <tei:p>Schon früh entstanden Visionen, dass mit dem Zugang zum Computer Daten und
                     Informationen für die Allgemeinheit zugänglich werden könnten. Vgl. hierzu
                        <tei:ref type="bibl" xml:id="refid162" target="#Abbate2017">Abate 2017,
                        bspw. S. 10</tei:ref>. Auch im Bildungsbereich wurden Computer früh als
                     potenzielles Werkzeug betrachtet, mit dem insbesondere globale
                     Bildungsungleichheiten aufgebrochen werden sollten. Vgl. hierzu <tei:ref type="bibl" xml:id="refid164" target="#Priem2023">Priem 2023</tei:ref> sowie
                        <tei:ref type="bibl" xml:id="refid165" target="#Hof2023">Hof 2023</tei:ref>.
                  </tei:p>
               </tei:note> wurde mit der schulischen Computernutzung obsolet. Für die föderale
               Bildungspolitik Bayerns und NRWs lassen sich solche Leitvorstellungen ohnedies kaum
               nachweisen. Weder in den frühen bildungspolitischen Konzepten der Länder noch in der
               praktischen Umsetzung der schulischen Computernutzung spielte der Gedanke
               technologisch vermittelter Gleichheit eine zentrale Rolle. Die moderne Technologie
               wurde stattdessen tief in traditionell bestehende Strukturen integriert, Differenzen
               zwischen den Schulformen auch mittels Computer aufrechterhalten und so Teil von
               Bildungsungleichheiten.</tei:p>
         </tei:div>
         <tei:div xml:id="div-d1e1711">
            <tei:head>3 Vom Privileg zur Notwendigkeit: Informationstechnologische
               Grundbildung</tei:head>
            <tei:p n="29">Die ersten curricularen Zuordnungen des Computers an Hauptschulen orientierten
               sich mit den inhaltlichen Ausgestaltungen im Fach Informatik ebenso wie an anderen
               Schulformen zunächst an einer Berufsvorbereitung. Mit der steigenden Nutzung des
               Computers auch im Privaten entwickelte sich Mitte<tei:pb n="118"/> der 1980er Jahre aber eine Debatte
               um eine informations- und kommunikationstechnologische Grundbildung. Das
               Bundesbildungsministerium vertrat unter der Christdemokratin Dorothee Wilms die
               Position, <tei:quote source="#refid170">dem Jugendlichen klarzumachen, ihn zu
                  befähigen, den Computer genau wie einen Füllfederhalter und den kleinen
                  Taschenrechner als Instrument für seine eigene gestalterische Arbeit zu
                  nutzen</tei:quote>.<tei:note>
                  <tei:p><tei:ref type="bibl" xml:id="refid170" target="#zoteroItem_2R6QKQWY">Gespräch mit der Bundesministerin für Bildung und Wissenschaft 1984,
                        153</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Die in den 1980er Jahren verabschiedeten BLK-Rahmenkonzepte zur
               informationstechnischen Bildung zielten explizit auf eine bundesweite Harmonisierung
               der Computerbildung ab. Dabei wurden nicht nur technische Kompetenzen, sondern auch
               gesellschaftliche Dimensionen wie Datenschutz und die Reflexion der digitalen
               Transformation berücksichtigt.<tei:note>
                  <tei:p><tei:ref type="bibl" xml:id="refid172" target="#Flury2023a">Flury 2023, S.
                        131–132</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note>
            </tei:p>
            <tei:p n="30">Nicht zufällig veröffentlichten sowohl das bayerische als auch das
               nordrhein-westfälische Kultusministerium kurz darauf Ideen einer Grundbildung. In NRW
               plante das Kultusministerium in der achten Jahrgangsstufe eine schulform- und
               fächerunabhängige Grundbildung zu verankern, die durch den Wahlpflichtunterricht und
               später in der Oberstufe vertieft werden könne.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid174" target="#Kultusministerium_Nordrhein-Westfalen1985">Kultusministerium
                        Nordrhein-Westfalen 1985, S. 7</tei:ref>. </tei:p>
               </tei:note> Einerseits sollten Schüler:innen aller Schulformen hier nicht nur
                  <tei:quote source="#refid176">die Funktionsweise und Bedeutung der Neuen
                  Technologien kennenlernen, sondern zugleich auch mögliche Chancen und Risiken, die
                  für den Einzelnen und die Gesellschaft entstehen können</tei:quote>.<tei:note>
                  <tei:p><tei:ref type="bibl" xml:id="refid176" target="#Kultusministerium_Nordrhein-Westfalen1985">Ebd., S.
                     3</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Andererseits werde <tei:quote source="#refid178">ohne veränderte Bildung
                  […] Modernisierung der Volkswirtschaft behindert</tei:quote>.<tei:note>
                  <tei:p><tei:ref type="bibl" xml:id="refid178" target="#zoteroItem_FPED7TAT">Regierungserklärung Johannes Rau zu den Perspektiven der Technologie und
                        Forschungspolitik in NRW am 13.07.1984, LArchNRWD, NW 526
                     465</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Mit diesem Vorhaben, das alle weiterführenden Schulformen einbezog, wird
               deutlich: Die frühere Beschränkung auf die gymnasiale Oberstufe war nicht zwingend
               altersbedingt zu begründen – sie könnte auch eine soziale Engführung der damaligen
               Konzepte markieren.</tei:p>
            <tei:p n="31">Der entsprechende Schulversuch wurde von 1985 bis 1989 unter Beteiligung von je
               sechs nordrhein-westfälischen Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie Gymnasien durchgeführt.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid180" target="#Landesinstitut_für_Schule_und_Weiterbildung1986">Landesinstitut für
                        Schule und Weiterbildung 1986, S. 33–34</tei:ref>. </tei:p>
               </tei:note> Alle allgemeinbildenden Schulformen mit Sekundarstufe I waren somit
               erstmals gleich verteilt beteiligt. Der Versuch offenbarte die entstandenen
               Unterschiede zwischen den Schulformen: Gerade die Haupt- und Realschulen hatten mit
               einer zu geringen Anzahl an Computern und zu wenig ausgebildeten Lehrer:innen zu kämpfen.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid182" target="#Landesinstitut_für_Schule_und_Weiterbildung1986">ebd</tei:ref>.
                  </tei:p>
               </tei:note> Computerbezogene Fortbildungsmaßnahmen wurden in NRW bisher in zu
               geringer Zahl angeboten. Aufgrund begrenzter Ressourcen wollte das Kultusministerium
               im<tei:pb n="119"/> Rahmen der Grundbildung ab 1986 zunächst bis zu 1.000 Lehrer:innen fortbilden.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid184" target="#zoteroItem_EMBA6JU6">Computer am Gymnasium 1987, S. 193</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Am vom Land initiierten Fortbildungsprogramm konnten <tei:quote source="#refid186">1986 vom Gymnasium für den Bereich des Regierungsbezirkes
                  Düsseldorf 17 (!!!) Lehrer teilnehmen</tei:quote>;<tei:note>
                  <tei:p><tei:ref type="bibl" xml:id="refid186" target="#zoteroItem_EMBA6JU6">Ebd.,
                        S. 195</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> die Interpunktion des Verfassers spricht für sich. Auch die Fortbildungen
               der Bezirksregierungen konnten den Bedarf der Lehrpersonen nicht decken. Ebenfalls
               1986 konnten im Rahmen zweier regionaler Fortbildungsprogramme nur zehn Prozent der
               400 Bewerber:innen berücksichtigt werden.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid188" target="#zoteroItem_EMBA6JU6">ebd., S. 188</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Wenngleich konzeptionell alle Schulformen bei den Fortbildungsmaßnahmen
               gleich beachtet wurden, verursachten diese infrastrukturellen und schulungsbezogenen
               Probleme zusätzliche Ungleichheit. Immerhin konnten Gymnasien und Gesamtschulen von
               Lehrer:innen profitieren, die bereits Informatikunterricht in der gymnasialen
               Oberstufe unterrichteten – und sei es nur durch die schulinterne Vorbereitung anderer
               Lehrer:innen oder durch Unterstützung bei der Handhabung der Computer.</tei:p>
            <tei:p n="32">Der VBE stand einer regelhaften Umsetzung der erprobten Grundbildung in NRW
               aufgrund dieser Probleme kritisch gegenüber und forderte: <tei:quote source="#refid190">Die Hauptschule darf nicht leer ausgehen!</tei:quote>.<tei:note>
                  <tei:p><tei:ref type="bibl" xml:id="refid190" target="#zoteroItem_VIV5M2ZS">Computer in der Schule 1986, S. 3–4</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Damit verknüpfte der VBE nun verstärkt den grundsätzlichen
               Substanzverlust der Hauptschule, deren Lehrkräfte vermehrt an die neuen Gesamtschulen
               abgezogen würden, mit der Computertechnologie, die gleichzeitig keinen Weg in die
               Hauptschulen finde. Die im Kultusministerium diskutierte Grundbildung sei für
               Hauptschulen eine Farce, da man hier weiterhin gar nicht in der Lage sei, diese zu
               unterrichten. Dies treffe insbesondere ‚Kinder deutscher oder ausländischer Arbeiter‘
               im Ruhrgebiet.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid192" target="#zoteroItem_VIV5M2ZS">ebd</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Nicht nur regionale Faktoren wie der Strukturwandel, sondern auch die
               soziale und ethnische Herkunft führten zu entscheidenden Barrieren im Zugang zu
               computertechnologischen Bildungschancen. Zwar ließ sich die Problematik im Ruhrgebiet
               besonders deutlich sichtbar machen und politisch adressieren, sie war jedoch
               keineswegs auf diese Region beschränkt: Auch in anderen Regionen NRWs zeigte sich
               eine unzureichende Ausstattung. Der Anspruch der schulformübergreifenden
               Chancengleichheit durch eine Grundbildung blieb angesichts solcher Rahmenbedingungen
               in der Praxis unerreichbar. Der Feststellung, gerade Schulen des Ruhrgebiets seien
               betroffen, ist jedoch entgegenzustellen, dass zumindest in den Schulversuchen das
               Ruhrgebiet stets überproportional berücksichtigt wurde. Grund hierfür war wohl<tei:pb n="120"/> der
               landespolitische Versuch, zur Überwindung des Strukturwandels ‚Digitalität‘ in die
               Landesidentität zu integrieren.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. hierzu bspw. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid194" target="#Thießen2019">Thießen 2019, S. 76</tei:ref> oder <tei:ref type="bibl" xml:id="refid195" target="#Thießen2023">Thießen 2023, S.
                        420–422</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note>
            </tei:p>
            <tei:p n="33">Mit Entwicklern wie Siemens war dies in Bayern längst geschafft. Hier verkündete
               das Staatsministerium für Unterricht und Kultus seinen Schulen 1986 die Einführung
               einer Grundbildung für das Schuljahr 1988/89. Um alle Schüler:innen aller Schulformen
               zu erreichen, entschloss sich Bayern, die neuen Inhalte in drei Kernfächer der achten
               und neunten Jahrgangsstufe zu implementieren.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid198" target="#zoteroItem_B78ISSYH">Einführung der informationstechnologischen Grundbildung, Bekanntmachung des
                        Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 9. Juli 1986,
                        ByHStArchM, MK 85986</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Die Auswahl der Kernfächer spiegelte erneut eine schulformspezifische
               Ausrichtung wider, die an Gymnasien stärker allgemeinbildend, an Realschulen
               kaufmännisch sowie wirtschaftsbezogen und an Hauptschulen praxisorientiert geprägt
               war. In allen Schulformen wurde das Fach Mathematik als ein Kernfach ausgewählt, an
               Gymnasien zusätzlich Deutsch sowie Wirtschafts- und Rechtslehre, an Realschulen
               Rechnungswesen sowie ebenfalls Wirtschafts- und Rechtslehre und an Hauptschulen
               Deutsch und Arbeitslehre.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid200" target="#zoteroItem_B78ISSYH">ebd</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Wie in NRW wurden die neuen Lehrpläne an allen Schulformen bereits ab dem
               Schuljahr 1986/87 getestet.</tei:p>
            <tei:p n="34">Selbst die Grundbildung vermochte es nicht, einheitliche Bildungsinhalte
               durchzusetzen. Nicht nur der Informatikunterricht, sondern auch die Grundbildung
               arbeitete computertechnologische Partizipationsmöglichkeiten immer tiefer in
               verwurzelte, strukturelle Bildungsungleichheiten ein. Damit zielte die Grundbildung
               weniger auf einen gesellschaftlich verantwortungsbewussten Umgang, sondern stärker
               auf eine berufsorientierte Vorbildung für alle Schüler:innen entsprechend der
               Schulform ab.</tei:p>
            <tei:p n="35">Die Fortbildung der bayerischen Lehrer:innen übernahm die Fortbildungsakademie
               Dillingen. Um zügig eine angemessene Anzahl an fortgebildeten Lehrer:innen zu
               erreichen, wurde statt regionaler Einführungskurse und zentraler Aufbaukurse ein
               Multiplikator:innenensystem implementiert.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid202" target="#zoteroItem_B78ISSYH">Staatsministerium an alle Schulen, 10.02.1988, ByHStArchM, MK
                        85989</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Zwischen 1988 und 1990 konnten in Bayern so 616 Multiplikator:innen der
               Hauptschulen ausgebildet werden, demgegenüber standen aber 3.295 ausgebildete
               gymnasiale Multiplikator:innen.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid204" target="#zoteroItem_B78ISSYH">Übersicht über die Lehrerfortbildung, [1990], ByHStArchM MK
                     85994</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Wenngleich zu beachten ist, dass Gymnasien strukturell auf vorhandenem
               Wissen aufbauen konnten, so ist der Unterschied fortgebildeter Lehrkräfte dennoch
               bemerkenswert.</tei:p>
            <tei:p n="36">Das bayerische Staatsministerium fasste die Ausstattungslage an den Schulen als
               entscheidenden Faktor für das Gelingen auf. Der Großteil der Schulen sei zwar bereits
               ausreichend versorgt, allerdings gebe es <tei:quote source="#refid206">immer noch
                  einen nicht<tei:pb n="121"/> zu vernachlässigenden Anteil mit unzureichender
                  Rechnerausstattung</tei:quote>,<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid206" target="#zoteroItem_B78ISSYH">Informationsschreiben des Staatsministeriums an die Schulen, 25.01.1990,
                        ByHStArchM, MK 85994.</tei:ref>
                  </tei:p>
               </tei:note> gemeint waren hauptsächlich Hauptschulen. Die kommunalen
               Sachaufwandsträger seien durch die Schulen zu einer baldigen und ausreichenden
               Ausstattung zu drängen.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid208" target="#zoteroItem_B78ISSYH">ebd</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Die ‚Zentraldatei‘ über an Schulen genutzte Computer wusste 1989
               detailliert zu berichten, dass in diesem Jahr 99,7 Prozent aller Gymnasien mindestens
               einen und 91,1 Prozent mindestens acht Computer für Unterrichtszwecke besaßen.<tei:note>
                  <tei:p>Auch die folgenden statistischen Angaben dieses Absatzes beziehen sich,
                     wenn nicht anders angegeben, auf <tei:ref type="bibl" xml:id="refid210" target="#zoteroItem_B78ISSYH">Ausstattung der Schulen mit Hard- und
                        Software, [1989], ByHStArchM, MK 85997</tei:ref>. </tei:p>
               </tei:note> Ähnlich hohe Werte erreichten bayerische Realschulen mit 99,4 und 88,8
               Prozent. Während immerhin 85,5 Prozent aller Hauptschulen einen Computer nutzen
               konnten, hatten jedoch nur 45 Prozent mindestens acht Rechner. Noch schlechter sah
               die quantitative Ausstattungslage bei den verbliebenen, nicht in Hauptschulen
               umgewandelten Volksschulen aus. Hier hatten nur 73,6 Prozent mindestens einen und nur
               elf Prozent mindestens acht Computer. Das Ziel, die informations- und
               kommunikationstechnologische Grundbildung in normaler Klassenstärke zu unterrichten,
               konnte auch an der Mehrheit der bayerischen Hauptschulen schon durch die quantitative
               Ausstattung nicht erreicht werden, wobei ländlichere Hauptschulen wahrscheinlich
               einen noch schlechteren Stand hatten als Schulen in urbanen Räumen.<tei:note>
                  <tei:p>Diese Interpretation erfolgt auf Ausführungen Geißlers, wonach gerade
                     ländliche Gebiete an den bestehenden Strukturen der Volksschulen festhielten
                     und diese mit Hauptschulen zusammenfassten, wohingegen in urbaneren Räumen
                     Volksschulen eher in eigenständige Hauptschulen umgewandelt wurden, teils auch
                     durch Errichtung von Schulzentren. Siehe hierzu etwa <tei:ref type="bibl" xml:id="refid212" target="#Geißler2011">Geißler 2011, S. 738</tei:ref>.
                  </tei:p>
               </tei:note>
            </tei:p>
            <tei:p n="37">Das vom bayerischen Kultusministerium angeregte Bestreben der Schulen, die
               Sachaufwandsträger zum Handeln zu bewegen, schien Früchte zu tragen. In München waren
               1987 für die kommenden Jahre jährlich 1,747 Millionen DM für Neu- oder
               Ersatzbeschaffungen der Schulen veranschlagt worden. Bei Gymnasien (385.000 DM) und
               Realschulen (200.000 DM) wurden nur geräteseitige Kosten veranschlagt, bei
               Hauptschulen (332.000 DM) auch bauseitige Kosten (120.000 DM),<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid214" target="#zoteroItem_PP7Q3DVE">EDV-Konzeption Schulrechner und computergesteuerte Arbeitsmaschinen im
                        beruflichen Schulbereich, Bekanntgabe im Schulausschuß [1989], StArchM,
                        DIR-IT-0011</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> da hier 1987 häufig noch keine baulich errichteten Computerräume
               existierten. Diese Errichtung konnte nun aber nicht mehr wie geplant über mehrere
               Jahre in die 1990er Jahre gestreckt werden, sondern musste zum Schuljahr 1988/89
               schnell vorangetrieben werden. 22 Hauptschulen sollten nun bis Ende 1989 mit
               Computeranlagen ausgestattet werden, für 23 weitere waren zusätzlich zur Anschaffung
               der Geräte noch Räume herzurichten. Dagegen waren alle 39 Gymnasien Münchens zu
               diesem<tei:pb n="122"/> Zeitpunkt bereits mit je zehn Geräten ausgestattet, sollten aber um je fünf
               erweitert werden; Gleiches galt für die 22 Realschulen. Die Stadt musste in den
               Jahren 1989 und 1990 somit für die Hauptschulen 1,61 Millionen DM, für Realschulen
               440.000 DM und die Gymnasien 780.000 DM finanzieren.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid216" target="#zoteroItem_PP7Q3DVE">ebd</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note> Die hohe Investitionssumme der Hauptschulen verdeutlicht einmal mehr die
               bisher nur stiefmütterlich vorangetriebene Ausstattung. Ähnliche Muster sind auch
               andernorts erkennbar.</tei:p>
            <tei:p n="38">Letztlich sorgte die curriculare Zuordnung des Computers aber auch in
               Hauptschulen für erhöhte Anstrengungen der kommunalen Sachaufwandsträger und brachte
               Hauptschulen, wie schon bei Gymnasien, eher Finanzierungen durch Schulträger oder
               Spenden ein. Auch wenn die Ausstattungslage an Schulen in NRW Ende der 1980er und
               Anfang der 1990er Jahre noch schlechter als in Bayern und in beiden Ländern an
               Hauptschulen schlechter als an anderen weiterführenden Schulen war, schien das Thema
               Computertechnologie spätestens Anfang der 1990er Jahre – in Gesellschaft wie Schule –
               zunächst ausgereizt und weitgehend abgehandelt.<tei:note>
                  <tei:p>Vgl. <tei:ref type="bibl" xml:id="refid218" target="#Schibgilla2023">Schibgilla 2023, S. 302</tei:ref>.</tei:p>
               </tei:note>
            </tei:p>
            <tei:p n="39">Ab Mitte und Ende der 1980er Jahre verschob sich die Diskussion rund um den
               Computer auch in den untersuchten Zeitschriften vollständig von Fragen der Hardware
               und Ausstattungslagen hin zu Fragen der Software und damit zu Überlegungen, was nun
               mit dem Computer schulformübergreifend und fachspezifisch gemacht werden könne. Diese
               Verschiebung blendete jedoch grundlegende Fragen der Chancengleichheit aus: Schulen
               mit ohnehin schlechterer Ausstattung – immer noch häufig Hauptschulen und damit
               zumeist Schüler:innen aus sozial benachteiligten Familien – hatten weiterhin weniger
               Zugang zur Bildung von computertechnologischen Kompetenzen.</tei:p>
         </tei:div>
         <tei:div xml:id="div-d1e2251">
            <tei:head>4 Ausblick: Zwischen Fortschritt und Ungleichheit</tei:head>
            <tei:p n="40">Die Betrachtung zeigt, dass Computerbildung in den 1970er und 1980er Jahren
               Bildungsungleichheiten spiegelte und verstärkte – etwa durch die spätere curriculare
               Einbindung an Hauptschulen. Nicht nur bei dieser curricularen Zuordnung, sondern auch
               bei der Einführung einer informations- und kommunikationstechnologischen
               Grundbildung, die allen Schüler:innen einen reflektierten Umgang mit der neuen
               Technologie vermitteln sollte, manifestierten sich bewusst aufrechterhaltene
               Differenzen der Schulformen und damit klare gesellschaftliche Zuschreibungen an die
               Schulformen: Gymnasiast:innen als Analytiker:innen und Hauptschüler:innen als
               Anwender:innen von <tei:pb n="123"/>Computern. Aufgrund der verspäteten Informatikcurricula der
               Hauptschulen wurden Gymnasien und andere Schulformen nicht nur eher mit Computern
               ausgestattet, sondern auch Hauptschullehrer:innen erst später fortgebildet. Frühere
               Initiativen von interessierten Hauptschullehrkräften basierten in der Regel auf
               autodidaktischem Wissen, so ist auch eine ungleiche Verteilung der
               Lehrer:innenkompetenz im Umgang mit Computern festzustellen.</tei:p>
            <tei:p n="41">Zwar blieb schulische Computernutzung in den 1970er und 1980er Jahren insgesamt
               ein Randphänomen. Dennoch wirkte sich bereits die selektive Einführung
               strukturverstärkend aus, da sie frühzeitig darüber entschied, welche Lernenden
               überhaupt partizipieren konnten. Die Ungleichheit lag weniger in einer
               flächendeckenden Wirkung, sondern in der symbolischen und praktischen Zuweisung
               technologischer Bildungschancen.</tei:p>
            <tei:p n="42">Das höhere gesellschaftliche Ansehen von Gymnasien erleichterte deren Ausstattung
               – Hauptschulen wurden hingegen auch durch eine geringere Außenunterstützung
               benachteiligt. Eine Änderung ist erst mit der curricularen Zuordnung an Hauptschulen
               Mitte und besonders Ende der 1980er Jahre festzustellen, wobei neben qualitativen und
               quantitativen Unterschieden auch schulformspezifische Zuschreibungen an die
               Schüler:innen bestehen blieben. Insgesamt agierten sowohl politische Akteur:innen als
               auch Wirtschaftsorganisationen stets entlang von Ungleichheitsannahmen hinsichtlich
               der Fähigkeiten der Schüler:innen unterschiedlicher Schulformen. Die moderne
               Technologie wurde so nicht zu einem Gleichmacher, wie von OECD oder UNESCO erwartet,
               sondern verstärkte bestehende Bildungsungleichheiten.</tei:p>
            <tei:p n="43">Es zeigen sich dabei keine Unterschiede zwischen dem dreigliedrigen Schulsystem
               Bayerns und dem partiell durch Gesamtschulen aufgebrochenem System in NRW. Bayern
               scheint NRW in der Planung und Umsetzung teils voraus gewesen zu sein. Dies muss aber
               auch vor dem Hintergrund des Strukturwandels NRWs und der wachsenden Wirtschaft
               Bayerns betrachtet werden, in der sich gerade computertechnologische Unternehmen
               stark entwickelten, wenngleich auch nicht in allen Regionen.</tei:p>
            <tei:p n="44">Besonders deutlich wird in beiden Ländern die schlechte Finanzierung des
               Bildungssystems. Während Metaphern wie ‚Zukunftstechnologie‘ in der Wirtschaft zu
               immensen Förderprogrammen sowie zu politischen Zugeständnissen führten und auch
               Schüler:innen verdeutlicht wurde, dass ohne Computerbildung die Zukunft nur schwer
               gestaltbar sei, fehlten solche Förderungen im Bildungssystem. Von Gymnasien
               absteigend wurden Schüler:innen zunehmend schlechter auf die auch von politischer
               Seite propagierte neue Gesellschaft vorbereitet.</tei:p>
            <tei:p n="45">Im Gesamten soll der Beitrag einen ersten Blick auf durch Computer verfestigte
               Bildungsungleichheiten in der Bundesrepublik ermöglichen. Bildungspolitische
               Entscheidungen zu curricularen Schwerpunkten hatten direkte<tei:pb n="124"/> Auswirkungen auf die
               computertechnologische Ausstattung der Schulen. So wurden bereits benachteiligte
               Gruppen durch eine schlechtere Ausstattung zusätzlich zurückgeworfen. Trotz
               insbesondere global entwickelter Ideen der Überwindung von Bildungsungleichheiten
               durch und mit Computertechnologie pflegte sich die neue Technologie in die dem
               Schulsystem inhärenten Benachteiligungen ein. Eine weitere Beschäftigung auch mit
               anderen Dimensionen – etwa Gender, Alter, Behinderung, Migrationshintergrund oder
               auch Suburbanität – scheint vielversprechend. Etwa, wie Mädchen gezielt für
               computerbezogene Unterrichtsinhalte sensibilisiert wurden; oder wie die Finanzierung
               und Integration von Computern in Schulen ländlicher, handwerklich geprägter Regionen
               gestaltet wurde – dort, wo digitale Leitbilder fehlten und auch keine Investoren als
               Impulsgeber zur Verfügung standen.</tei:p>
         </tei:div>
      </tei:body>
      <tei:back>
         <tei:div type="bibliography" xml:id="div-bibl">
            <tei:head>Quellen und Literatur</tei:head>
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                  207.</tei:bibl>
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                     https://www.spiegel.de/wirtschaft/ich-heisse-jens-und-wie-heisst-du-a-23f423ff-0002-0001-0000-000014021454
                  </tei:ref>, zuletzt geprüft 15.05.2025.</tei:bibl>
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               <tei:bibl xml:id="Erdogan2021" corresp="http://zotero.org/groups/4596542/items/LUTHIAFX">Erdogan, Julia Gül
                  (2021): Avantgarden der Computernutzung. Hackerkulturen der Bundesrepublik und der
                  DDR. Göttingen. </tei:bibl>
               <tei:bibl xml:id="Flury2023a" corresp="http://zotero.org/groups/4596542/items/3EM29B8F">Flury, Carmen (2023):
                  „Joining Forces: The Promotion of Public-Private Partnerships to Bring Computers
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               <tei:bibl xml:id="Flury2023c" corresp="http://zotero.org/groups/4596542/items/PYUE2QAR">Flury, Carmen/Geiss,
                  Michael/Guerrero Cantarell, Rosalia (2023): “From Victims to Economic Assets:
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                  Michael (2023) (Hrsg.): How Computers Entered the Classroom, 1960–2000. Berlin,
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                  „‚Außer großem Staunen keinerlei Lerneffekt‘. Didaktische Herausforderungen des
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                  1985–1990“. In: Wähler, Josefine/Lorenz, Marco/Reh, Sabine/Scholz, Joachim
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               <tei:bibl xml:id="Flury2024b" corresp="http://zotero.org/groups/4596542/items/EBKCSRKR">Flury, Carmen/Geiss,
                  Michael (2024): „Making a case for computer literacy: the German Informatics
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               <tei:bibl xml:id="Geißler2011" corresp="http://zotero.org/groups/4596542/items/7ZK9RJ9M">Geißler, Gert (2011):
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               <tei:bibl xml:id="Cantarell2023" corresp="http://zotero.org/groups/4596542/items/HNUHYNIB">Guerrero Cantarell,
                  Rosalía (2023): „Teachers Translating and Circumventing the Computer in Lower and
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                  Michael (Hrsg.): How Computers Entered the Classroom, 1960–2000. Berlin, Boston,
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               <tei:bibl xml:id="Gugerli2015" corresp="http://zotero.org/groups/4596542/items/4QL93GW2">Gugerli, David (2015):
                  „Der Programmierer“. In: Frei, Alban/Mangold, Hannes (Hrsg.): Das Personal der
                  Postmoderne. Bielefeld, S. 17–32.</tei:bibl>
               <tei:bibl xml:id="Gugerli2018" corresp="http://zotero.org/groups/4596542/items/UCHSL8QZ">Gugerli, David (2018):
                  Wie die Welt in den Computer kam: Zur Entstehung digitaler Wirklichkeit“.
                  Frankfurt am Main.</tei:bibl>
               <tei:bibl xml:id="Hicks2017" corresp="http://zotero.org/groups/4596542/items/9YUZP8GY">Hicks, Mar (2017):
                  Programmed Inequality. How Britain Discarded Women Technologists and Lost Its Edge
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               <tei:bibl xml:id="Hof2023" corresp="http://zotero.org/groups/4596542/items/CUF34V6K">Hof, Barbara (2023): „ Defuturization Machines: The OECD’s Early Efforts to Plan
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               <tei:bibl xml:id="Kössler2022" corresp="http://zotero.org/groups/4596542/items/2ISXJAAE">Kössler, Till (2022):
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               <tei:bibl xml:id="Nonn2009" corresp="http://zotero.org/groups/4596542/items/QZZ76TSB">Nonn, Christoph (2009): Geschichte Nordrhein-Westfalens. München.</tei:bibl>
               <tei:bibl xml:id="Pieper2009" corresp="http://zotero.org/groups/4596542/items/SQXWZB4D">Pieper, Christine
                  (2009): Hochschulinformatik in der Bundesrepublik und der DDR bis 1989/1990.
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               <tei:bibl xml:id="Priem2023" corresp="http://zotero.org/groups/4596542/items/9VFDUEGR">Priem, Karin (2023):
                  „Entangled Media Ecologies: The Nexus of Education and Mass Communication from the
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               <tei:bibl xml:id="Schibgilla2023" corresp="http://zotero.org/groups/4596542/items/EKIYR5BM">Schibgilla, Sven (2023):
                  „Vom Maschinenraum zum Computerraum. Computernutzung an allgemeinbildenden Schulen
                  bis 1990 am Beispiel Nordrhein-Westfalens“. In: Technikgeschichte 90 H. 4, S.
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               <tei:bibl xml:id="Schönrich2021" corresp="http://zotero.org/groups/4596542/items/VJCBJEK9">Schönrich, Hagen (2021):
                  Mit der Post in die Zukunft. Der Bildschirmtext in der Bundesrepublik Deutschland
                  1977 bis 2001. Paderborn.</tei:bibl>
               <tei:bibl xml:id="Thießen2019" corresp="http://zotero.org/groups/4596542/items/IIY33LNR">Thießen, Malte (2019):
                  „NRW 2.0. Zur Digitalgeschichte eines Landes von 1960 bis heute“. In: Geschichte
                  im Westen 34, S. 65–94. </tei:bibl>
               <tei:bibl xml:id="Thießen2022" corresp="http://zotero.org/groups/4596542/items/PU7BAP4Y">Thießen, Malte (2022):
                  „Digitalgeschichte als Gesellschaftsgeschichte. Perspektiven einer
                  Regionalgeschichte der digitalen Transformation“. In: Wichum, Ricky/Zetti, Daniela
                  (Hrsg.): Zur Geschichte des digitalen Zeitalters. Wiesbaden, S. 53–76.</tei:bibl>
               <tei:bibl xml:id="Thießen2023" corresp="http://zotero.org/groups/4596542/items/FESSAIGV">Thießen, Malte (2023):
                  „Varianten des digitalen Wandels. Perspektiven einer Regionalgeschichte der
                  digitalen Transformation“. In: Küster, Thomas/Thießen, Malte: Varianten des
                  Wandels. Die Region in der jüngsten Zeitgeschichte 1970–2020. Paderborn, S.
                  409–430.</tei:bibl>
               <tei:bibl xml:id="Wenk2022" corresp="http://zotero.org/groups/4596542/items/FD9T9NXY">Wenk, Sandra (2022): „Die Bildung der Anderen. Der Krisendiskurs über die
                  Hauptschule und Hauptschüler*innen in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren“. In:
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            </tei:listBibl>
         </tei:div>
      </tei:back>
   </tei:text>
</tei:TEI>